1900-2000n.Chr.

1900 Am 1. Mai wird die Eisenbahn Frankenberg – Korbach eingeweiht, letztes Teilstück Marburg – Warburg.

1900 Die Gutshof-Feldscheune wird gebaut, am Neuen Wege, heutiges Grundstück Knieling/Göbeler.

1901 Hochwasser reißt das Holzwehr in der Eder vollständig weg.

1901 Die Gutshofwasserleitung aus dem Weidenborn, deren Wasser nur für das Vieh verwendet wird, wird erneuert. Die 678 m lange Leitung besteht im unteren Teil aus 450 m Holzrohren, darüber aus 130 m Dränrohren, welche sich dann nach den beiden gefaßten Quellen in Arme von 10 und 88 m Länge verzweigen. Die neue Leitung besteht aus gußeisernen Rohren von 50 mm Durchmesser. Die Leitung ist bereits auf einer Karte von 1718 eingezeichnet, stammt also noch aus Zeiten der Dersch.

1902 Der Maurermeister Heinrich Armand soll als Ersatz für die Holzbrücke eine steinerne Brücke über den Wachenbach (die Schafbrücke) bauen. Das Hofmarschallsamt seiner königlichen Hoheit in Philippsruhe genehmigt dies mit einem Telegramm an Oberförster Böhle vom 13. Juli 1902.

1903 Bau des heutigen Wehres anstelle des Holzwehres.

1906 Lehrer Heinrich Mengel, Hommershausen wird zum 1. Juni Lehrer in Viermünden bis zum 30. September 1948.

1907-1909 Wilhelm Mater ersetzt den Fachwerkbau der Mühle durch ein massives Gebäude. Der Antrieb durch das oder die Mühlenräder wird durch eine Turbine übernommen. Die Bäckerei wird gebaut. Dadurch entfällt nach und nach das Backen in den Backhäusern im Dorf. Blechkuchen bringt man in die Bäckerei zum Backen. Kaufen kann man 5-Pfund Roggenbrote, Weißbrot, Brötchen (Wecke), Schnecken und Hörnchen. Außerdem noch Briketts! Wer seinen Roggen in die Mühle geliefert hat, nimmt zum Brotholen sein „Brotbuch“ mit und läßt das Brot dort eintragen.

1912 Wasserleitung vom Gernhäuser Grund bei Frankenberg nach Viermünden, auch nach Frankenberg, Birkenbringhausen, Haine, Röddenau und Schreufa.

1920-1921 Da das örtliche Stromnetz fertig ist, liefert die Matermühle „elektrisches Licht“. Jeder Haushalt darf nur eine Lampe brennen. Der Gutshof zahlt 40 Pfennig für die kwh, ab 1. Dezember 1919 65 Pfennig.

1922 Viermünden bekommt elektrischen Strom.

1923 Jahrelang hat Lehrer Mengel die ungeheuer-lichen Preissteigerungen in der Schulchronik geschildert. Nun ist man bei Billionen angekommen. Zum 1. Dezember wird die Rentenmark eingeführt und 1924 durch die Reichsmark ersetzt. Löhne und Preise gehen auf den normalen Stand zurück. Zahlungsmittel bleiben auch weiterhin 20- und 10-Mark-Goldmünzen (kaum noch vorhanden), Kupfermünzen 1- und 2-Pfennig (bis 1948). Die Sparer haben ihr Geld verloren.

1927 Landgraf Alexander von Hessen in Philippsruhe verkauft den Gutshof in Viermünden und den Hof Treisbach an den Kreis Frankenberg. Der Gutshof in Viermünden wird stillgelegt, Ländereien und Gebäude verpachtet, nach und nach verkauft. Waldungen bleiben im Besitz des Kreises. Die Feldscheune wird umgesetzt zum Hof Treisbach. Der Hof Treisbach wird unter einem Verwalter vom Kreis weiterbetrieben, 1939 an einen Herrn Keel verkauft, etwa ein Jahr später an Familie Regenbogen.

1928 Leiterfabrik Louis Töpel entsteht. Die Familie kommt aus Thüringen, wohnt in der ehem. Oberförsterei.

1932 Molkerei August Schulze im ehemaligen Kuhstall des Gutshofes.

1932 Ein Stück Ederstraße wird zum ersten Male asphaltiert, vom Hüstengrund bis zur Abzweigung nach Viermünden.

1934 Kirchenumbau. 2 als Fußbodenbelag gefundene Grabsteine der Familie von Dersch werden in den Seitenwänden der Kirche angebracht. An der Ostseite neues Fenster der Geschwister. Die Gruft unter der Kirche wird geöffnet (auch schon 1927). Von den insgesamt mehr als zehn beigesetzten Personen findet man nur noch einen Sarg, den des 1717 verstorbenen Georg Erhard von Dersch. Der beim Auffinden der Derschischen Grabmäler zugegen gewesene Adam Pfingst erzählte mir, daß sein Arbeitskollege) verlangt habe, die Steine sofort zu zerschlagen. Er, Pfingst, habe sie gerettet.

1935 Das ehemalige Haus des Gutshofpächters wird umgebaut zu einem „Landjahrlager“. Im Frühjahr 1935 kommen 60 Berliner Jungen, 14 Jahre alt, nach Viermünden, in den folgenden Jahren zunächst Berliner, dann auch andere Jungen. Sie helfen den Sommer über bei den Bauern in der Landwirtschaft. In den ersten Kriegsjahren kommen Mädchen.

1936 Ederstraße wird von Frankenberg bis Korbach verbreitert und asphaltiert. Reichsstraße 252.

1939 Am 4. August morgens zwischen 10 und 11 Uhr fährt Lz 130 Graf Zeppelin über Viermünden. Er kommt aus Richtung Westen und fährt nach NO wieder ab, umfährt ein Gewitter das über Geismar steht. Das Schiff ist 245 m lang, sein größter Durchmesser ist 41,20 m. Es hat vier Dieselmotore, mit denen es fast lautlos fährt.

1939 28. August, Beginn der ersten  „Zuteilungsperiode“ für Lebensmittel usw. . Setzt sich mit lfd. Nr. fort bis nach der Währungsreform. Zugeteilt werden zunächst Lebensmittel, etwas später folgen Stoffe (Reichskleiderkarte), Schuhe (Bezugsscheine), Seife, Kohlen. Benzin gibt es nur für Autos und Motorräder mit einem roten Winkel auf dem Nummerschild.

1939 „Rückwanderer“, so nennt man die ersten Flüchtlinge, die aus dem Saargebiet zu uns kommen (Irsch, Altenkessel). Schulkinder mit Läusen! Die Läuse wurden ausgerottet. 1940 können diese Leute wieder nach Hause fahren, teils kommen sie 1944 wieder.

1939 Am 15. November landet auf der Grohweide Major Walter Storp, Sohn des letzten landgräflichen Forstmeisters mit einem Fieseler Storch. Am Todestage seines Bruders Richard besucht er dessen Grab. Dieser hatte sich eine Reihe von Jahren zuvor in Guntershausen erschossen.

1943-1945 Bombengeschädigte, Ausgebombte kommen aus den Großstädten, ziehen nach Kriegsende so bald als möglich wieder zurück.

1942 Die kleinere Glocke muß abgeliefert werden. Sie war bereits im ersten Weltkrieg abgegeben worden und bei Kriegsende zurückgekommen. Diesmal kommt sie nicht wieder. Das werktägliche 10-Uhr Läuten mit zwei Glocken wird für immer abgeschafft.

1944 7. Oktober, Jagdflugzeuge werfen Bomben in die Lache und beschießen das Dorf. 7 Wohnhäuser und 14 Scheunen brennen ab.

1945 29. Januar, Brandbomben auf Mühle und Umgebung.

1945 29. März, Amerikanische Truppen fahren auf der Ederstraße von Frankenberg bis Korbach, besetzen am folgenden Tage das Dorf.

1946 8. und 9. Februar. Größtes Hochwasser des Jahrhunderts, hervorgerufen durch starke Regenfälle (2. größtes 1909)

1946 Im Frühjahr dieses Jahres kommen Flüchtlinge in großer Zahl, diesmal „Heimatvertriebene“ genannt, aus der damaligen Tschechoslowakei zu uns und bleiben hier.

1948 22. Juni, Währungsreform. 40 DM neues Geld für jeden, der 40 RM einzahlt. Die Bewirtschaftung wird aufgehoben, die für Lebensmittel bleibt vorläufig noch, bis für jede Art eine ausreichende Versorgung vorhanden

1949 Fehlende Glocke durch eine neue Stahlgußglocke ersetzt (bis 1963).

1950 1100-Jahrfeier des Dorfes Viermünden. Der Verfasser der Dorfgeschichte Peter Grebe wird Ehrenbürger von Viermünden, der einzige, den Viermünden je hatte.

1953/54 Bau der neuen Schule, heutiges Dorfgemeinschaftshaus.

1956 Ederstraße nochmals verbreitert.

1963 Zwei neue Kirchenglocken, im Ganzen nun drei. Dazu ein eiserner Glockenstuhl für 3 Glocken, ein elektrisches Geläute und eine neue Uhr. Die alte Uhr ist im Museum in Frankenberg.

1965 7.-9. Schuljahr besuchen die Schule in Frankenberg.

1966 Im Januar wird das frühere Schulhaus abgebrochen (Haus Nr. 1).

1967 Ederbrücke und Mühlengrabenbrücke erhalten eine breitere Fahrbahn.

1971 1. Januar, Viermünden wird Stadtteil Frankenbergs.

1971 Im April Abbruch der „Alten Schule“ (Haus Nr. 68 ½).

1974 1. Januar, Kreis Waldeck-Frankenberg, Sitz in Korbach.

1981 29. April, Letzte Milchlieferung an die Molkerei. Betrieb nach und nach eingestellt.

1982 Die Schule wird geschlossen. Alle Kinder besuchen Schulen in Frankenberg.

1987 30. Mai, Letzte Zugfahrten zwischen Frankenberg und Korbach.

1989 Viermünden, sowie ganz Deutschland erhalten ISDN für private Anwender.

1994 Viermünden erhält Kabelfernsehen.

1998 Während des Hessentages in Korbach fahren noch einmal an fünf Tagen Triebwagen zwischen Frankenberg und Korbach.

2000 1150-Jahrfeier des Dorfes Viermünden.